
Der Wert der Verarbeitung vor Ort: Erfahrungen aus der Praxis
Jahrelang exportierte HPW frische Ananas nach Europa. Die Fairtrade-Zertifizierung sorgte auf europäischer Seite für gute Preise. Das reichte jedoch nicht aus, damit die landwirtschaftlichen Betriebe ihre Investitionen decken und mit der Konkurrenz in anderen Teilen der Welt Schritt halten konnten. Heute ist das anders.
Die Fabrik, die aus diesem Exportgeschäft hervorgegangen ist, verarbeitet jedes Jahr mehr Ananas, als wir zu Spitzenzeiten des Frischfruchthandels je frisch verschifft haben. Der Preis, den wir den Landwirten heute zahlen, ermöglicht ihnen Gewinne und eine Ausweitung ihres Anbaus. Bei Mangos zeigt sich dasselbe Bild: Unsere Nachfrage nach frischen Mangos ist hoch, stabil und beständig, und genau diese Nachfrage ist ein wesentlicher Grund dafür, dass die westafrikanische Mangoindustrie floriert.
Dorthin hätte uns der Export von Frischware allein nie gebracht. Wer frische Ananas und Mangos nach Europa verkauft, konkurriert direkt mit hochprofessionellen Produzenten in Süd- und Mittelamerika. Diese greifen auf jahrzehntelange Investitionen in Anbau und Nacherntebehandlung sowie auf langjährige Beziehungen zu Abnehmern zurück. Um allein über den Export von Frischware mitzuhalten, wären Investitionen in einer Grössenordnung nötig, die sich für das Unternehmen niemals gerechnet hätten.
Die Verarbeitung vor Ort verändert diese Ausgangslage und öffnet familiengeführten Betrieben die Tür. Der Betrieb eines Produzenten und seine Beziehung zu uns als Verarbeiter entwickeln sich Hand in Hand: beständig, für beide Seiten planbar, und sie schaffen weitaus mehr Wert direkt dort, wo die Früchte angebaut werden.





Das wirkt sich auch auf den Jobmarkt aus. HPW beschäftigt in Ghana rund 2.000 Mitarbeitende. Etwa 200 dieser Stellen sind mit hochqualifizierten Personen besetzt: Sie haben einen Hochschulabschluss, ein internes Schulungsprogramm über mehrere Monate durchlaufen oder eine Führungsposition inne. Das ist ein anderes Arbeitsprofil als in einem Unternehmen, das sich ausschliesslich auf den Export frischer Früchte ausrichtet, wo qualifizierte Stellen selten sind.
Es gibt noch einen dritten Aspekt, der für die Verarbeitung vor Ort spricht: das Verständnis des Marktes, in den man verkauft. Ein Verarbeiter vermarktet nicht einfach alles, was ein landwirtschaftlicher Betrieb liefert. Wir bemerken, wenn ein Kunde eine Spezifikation ändert, wenn sich die Nachfrage nach einem bestimmten Produkt verschiebt oder wenn ein konkurrierender Herkunftsort den Preis anpasst, und wir können uns darauf einstellen, weil die Produktionsverantwortlichen jede Woche mit den Kunden sprechen. Diese Reaktionsfähigkeit lässt sich zu einem späteren Zeitpunkt der Lieferkette nur schwer aufbauen, und unsere Kunden bemerken, dass sie vorhanden ist.
All das geschah nicht über Nacht. Der Wandel vom Export frischer Produkte zur Verarbeitung vor Ort verlangte jahrelange Investitionen in die Fabrik, in die Beziehungen zu den Landwirten, in Kundenakquise und Kundenbetreuung sowie in die Menschen, die all dies leiten.